kidswebbis® Geschichten vorlesen

Geschichten aus dem Alltag von Kindern oder der  Fantasie: spannend, verständlich und voller kindgerechtem Wissen. Ganz ohne Werbung. 

Die geheimnisvollen Postkarten

 

Seit einiger Zeit erhält Tante Rosa hübsche Postkarten.  Auf ihnen steht:

Liebe Tante Rosa, ich hoffe, es geht dir gut. Deine geheimnisvolle Brieffreundin. 


Tante Rosa ist deshalb immer sehr gespannt, wenn Herr Monk, der Postbote kommt. Ihm sind die schönen Postkarten auch schon aufgefallen. 
Mal ist das Motiv auf der Vorderseite der Karte eine Blume oder eine Maus mit niedlichen Öhrchen, mal sind gemalte Bildchen darauf. 

„Meine liebe Frau Wunderlich, seit 20 Jahren bringe ich Ihnen ihre Post, aber noch nie waren so wunderschöne Postkarten dabei. Sonst erhalten sie Urlaubskarten mit Landschafts- und Städtebildern, aber diese Karten sind etwas ganz Besonderes. Darf ich fragen, wer  Ihnen die Postkarten schickt?“ „Mein guter Herr Monk“, seufzt Tante Rosa, „wenn ich es nur wüsste! Es steht kein Absender auf den Karten. Ich habe zwar so eine Ahnung…“

Am Samstag darauf telefoniert Tante Rosa mit ihrer Nichte Lea, die seit dem letzten Sommer in die Schule geht. „Hallo, mein Stern, wie geht es dir?“ „Hallo Tante Rosa, danke gut und dir? Meine Lehrerin, Frau Pauli, ist ganz toll.  Ich habe gestern ein Häschengedicht vor der Klasse aufgesagt. 
Es alles war sehr aufregend, aber ich keine Strophe vergessen.“ „Das ist ja großartig, Lea. Ich bin sehr stolz auf dich. Wenn ich dich das nächste Mal besuche, musst du mir unbedingt dein Gedicht vortragen.  Aber nun stell’ dir mal vor, ich bekomme neuerdings Post von einer geheimnisvollen Brieffreundin! Und ich weiß überhaupt nicht, wer das sein könnte.“

Gut, dass Tante Rosa Leas Gesicht nicht sehen kann: Sie strahlt von einem Ohr zum anderen. 
“Das ist wirklich eine komische Geschichte, Tante Rosa. Kannst du wirklich nicht herausfinden, wer dir die Postkarten schreibt?“ Sie muss sich schon in den Arm kneifen,  damit ihr Glucksen sie nicht verraten kann.  „Aber nein, nein! Ich habe nicht den leisesten Schimmer und dabei freue ich mich doch so über die Karten. Wie soll ich ihr danken oder zurückschreiben?“ Lea kichert leise vor sich hin. „Lea, höre ich dich etwa gickeln?“, fragt Tante Rosa leicht verwirrt und lauscht angestrengt. 
Sollte sie ihre geheimnisvolle Brieffreundin gefunden haben? Sie könnte Lea fragen, aber dann würde die Geschichte ihren Zauber verlieren und Tante Rosa liebt nun mal zauberhafte Sachen. 
Also muss sie es anders versuchen.

„Was macht die Schule, Lea, von der Aufführung einmal ganz abgesehen? Was macht ihr gerade in Deutsch?“  'Warum fragt Tante Rosa ausgerechnet jetzt nach Deutsch?' denkt Lea überrascht. 
„Och, Schreiben und Lesen machen Spaß“, sagt sie. „Wir üben gerade viele Wörter und kleine Sätze. Frau Pauli sagt, Fehler sind am Anfang ganz normal. Sie zeigt uns dann, wie wir es richtig machen. Jetzt sollen wir einfach 'üben, üben und nochmal üben'. Und Mama und Papa dürfen mir nicht reinreden.“  
Jetzt schmunzelt Tante Rosa. „Ja, ja Übung macht bekanntlich den Meister. Schön, dass es dir so viel Freude macht.“ ‚…und mir auch’ denkt sie noch, sagt es Lea aber nicht.

Drei Tage später liegt auf Leas Schreibtisch eine bunte Mäusepostkarte. Auf der Vorderseite steht ‚Für einen lieben Menschen…’ und auf der Rückseite

… von jemanden, der sich freut eine zauberhafte Brieffreundin zu haben. Ich wünsche mir noch viele Postkarten. 

Deine geheimnisvolle Brieffreundin

Text: Nicole Potthoff | kidswebbi®

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Die geheimnisvollen Postkarten

Zwei kleine Fragen zur Geschichte. 
Verstehst du, warum die Postkarten für Tante Rosa und Lea wichtig sind?

Tante Rosas Faschingszauber

 „Ich will aber als Merlin zum Fasching gehen!“, wütend stampft der fünfjährige Leon mit dem Fuß auf den Küchenboden. „Ach Leon!“, seufzt Mama, „Ich habe es dir doch schon erklärt. Das Kostüm kostet 35 Euro. So viel Geld gebe ich für einmal Anziehen nicht aus.“ „Ich will aber!“ Dicke Tränen kullern aus Leons Augen. „Im Kostümverleih sind alle Zauberersachen bereits verliehen, weil wir zu spät dran sind. Wir können ein Kostüm basteln, aber das willst du nicht. “Ich will ….“, heult Leon auf, diesmal noch lauter.

„Was ist denn hier los?“ Leons große Schwester Klara kommt kopfschüttelnd in die Küche. „Sag´ mal Leon, geht´ s dir noch ganz gut? Was soll denn das Geschrei? Als ich so alt war wie du …“ „Klara!“, warnt Mama, „Misch’ dich bitte nicht ein. “Ich will Fasching ein Merlin sein! Arian wird ein Ritter, Merle eine Prinzessin“, schnieft Leon, „und ich will dann …“ „Ich will, ich will, ich will“, äfft Klara ihren kleinen Bruder nach, „ein verwöhntes Bürschchen bist du!“ „Kinder, so kommen wir nicht weiter!“, sagt Mama mit fester Stimme. „Ihr seid beide so gemein!“, brüllt Leon und stürzt an Klara vorbei aus der Küche. Die Haustür knallend verlässt er die Wohnung. „Ach Leon!“, seufzt Mama noch einmal.

Immer wenn Leon Ärger oder Kummer hat, sperrt er sich in den kleinen Geräteschuppen im Garten ein. Dort kann er wütend vor sich hin schimpfen, über die Ungerechtigkeit dieser Welt klagen oder einfach nur heulen, so wie jetzt. Er sitzt in seiner Kummerecke auf einem dicken Kissen und fühlt sich richtig elend. Nicht nur weil er kein Merlinkostüm zum Fasching im Kindergarten hat, sondern weil er durchaus spürt, dass Klara Recht hat. Zwar nur ein Fitzelchen, ein ganz kleines, aber doch so viel, dass er Mama gegenüber ein schlechtes Gewissen hat. Schließlich wollte sie ihm helfen, aber er möchte kein selbst gebasteltes Zeug. Er will den großen, spitzen Hut, den schwarzen seidig schimmernden Umhang mit dem Silbergürtel und den tollen silbernen Zauberstab. Egal, was es kostet. „Nein!“, hat Mama gesagt. Bei dem Gedanken an Mama und das Fest im Kindergarten muss er wieder anfangen zu weinen.

Die Nachbarin Tante Rosa Wunderlich will gerade zum Komposthaufen im Garten gehen, als sie das Schniefen und Schluchzen hört. Langsam geht sie auf den Schuppen zu, aus dem sie das Weinen vermutet. „Hallo?“, ruft sie und drückt vorsichtig die Klinke der Schuppentür hinunter. Die Tür ist verschlossen. „Hallo! Wer weint denn da so, dass die Vöglein das Singen vergessen?“ „Ich“, kommt als leise Antwort aus dem Innern des Schuppens. „Du also“, sagt Tante Rosa und lächelt. „Was macht dir denn das Herz so schwer, mein liebes ‚Ich’?“ „Ich will zum Kindergartenfasching ein Merlinkostüm haben und Mama sagt, das geht nicht“, schnieft Leon. „So, so ein verkleideter Merlin willst du sein und es geht nicht. Ja, das ist wirklich traurig, wenn das ‚Ich’ etwas will und niemand diesen Wunsch erfüllen kann.“ Tante Rosa nickt verständnisvoll mit dem Kopf und geht um den Schuppen herum bis zum kleinen Schuppenfenster. 

 Leon lauscht ihrer Stimme und ihren Schritten. Plötzlich taucht Tante Rosas rundes, rosiges Gesicht am Fenster auf. Sie lächelt und Leon hat das Gefühl, als wäre gerade der Mond aufgegangen. „Merlin, der Zauberer! Ja, den kenne ich. Nicht persönlich selbstverständlich, dazu bin ich viel zu jung“, Tante Rosa lacht, “er war schließlich steinalt und ist mausetot, aber ich kenne seine Geschichte. Du auch?“ Leon schüttelt den Kopf, sein Gesicht ist ganz rot und brennt ein wenig von den vielen salzigen Tränen. „Nun, er soll ein Magier gewesen sein. Ein Mensch, der um die Geheimnisse der Welt wusste.“ „Konnte er auch ein Kaninchen aus seinem Hut zaubern?“ „Aber nein, das konnte er nicht. Das können nur Zauberkünstler, die mit kleinen Tricks unseren Augen und Ohren einen Streich spielen. So gesehen, kann ich ebenfalls ein wenig zaubern.“ Tante Rosas Gesicht strahlt durch das kleine Fenster. Leons Augen weiten sich. „Echt?“ „Ja, sieh’ doch nur, du weinst gar nicht mehr!“ 

Leon stutzt, er weiß nicht, was er davon halten soll. Er ist tatsächlich nicht mehr so traurig, doch ob Tante Rosa seine Traurigkeit wirklich weggezaubert hat?

„Möchtest du dich als Magier Merlin verkleiden oder als ein Zauberkünstler wie Vitus Vitt?“ Leon denkt angestrengt nach. „Ist Vitus Vitt auch steinalt oder mausetot?“

 „Nein“, antwortet Tante Rosa, „eher mittelalt und quietschlebendig.“
 Da muss Leon lachen, weil er sich vorstellt, Vitus Vitt würde auf einem quietschenden und rostigen Rad durch die Gegend fahren. „Hat er einen Zauberhut?“, will er wissen. „Nein, er braucht keinen Zauberhut.“ „Hat er einen schwarzen Umhang?“ „Nein, er braucht keinen schwarzen Umhang.“ „Hat er einen Zauberstab?“, fragt Leon nun ein viertes Mal. „Nein, er braucht auch keinen Zauberstab.“ Leon grübelt, ein Zauberer ohne Hut, Umhang und Stab? Das soll ein richtiger Zauberer sein? „Aber was hat er denn dann an, damit man ihn als Zauberer erkennen kann?“ „Nun, als Zauberkünstler kann er anziehen, was er will. Das Wichtigste an einem Zauberer ist sein Blick. Er muss sehr geheimnisvoll gucken können, aber auch würdig. So, schau’ mal.“ Tante Rosa dreht ihr Gesicht hinter der Scheibe ein wenig zur Seite. Ihre Augen verengen sich zu kleinen Schlitzen, mit denen sie Leon fest anblickt. Dann reckt sie ihr Kinn noch ein wenig vor. Plötzlich ähnelt ihr Gesicht einem Halbmond. „Oh!“, staunt Leon, „du siehst ...“, er stockt, „… geheimnisvoll und würdig aus.“

Nun müssen beide lachen. „Außerdem sollte ein Zauberkünstler ein oder zwei Zaubertricks beherrschen, mit denen er andere verblüfft.“ Leon nickt. Zaghaft fragt er: „Könntest du mir auch einen Zaubertrick zeigen?“ Tante Rosa lächelt. „Sogar mehr als einen, aber dazu musst du aus dem Schuppen kommen, mein lieber Leon.“ Jetzt fällt Leon die Entscheidung gar nicht mehr schwer. Was sind schon steinalte Ritter und Prinzessinnen gegen einen echten Zauberkünstler?

Als er eine halbe Stunde später vergnügt zu Mama in die Küche kommt, verkündet er lauthals und mit geheimnisvoll funkelnden Augen: „Ich bin Leo Lotus, der Zauberkünstler!“ Mama sieht Leon an, lächelt und seufzt: „Ach Leon!“


Text: Nicole Potthoff | kidswebbi®

Tante Rosas Faschingzauber

Zwei kleine Fragen zur Geschichte.
Kannst du die Gefühle von Leon verstehen?

Lea und der Mathepunkt

Seit dem Sommer geht Lea in die Schule. Die ersten Wochen waren aufregend und anstrengend. 
Das Schulgebäude ist viel größer als der Kindergarten und es hat viel mehr Gänge und Räume. 
Gut, dass die erste Klasse im Erdgeschoss ihren Klassenraum hat.

Anton, Linda und Maja kannte Lea schon aus der Hasengruppe im Kindergarten. 
Die anderen zwanzig Kinder waren ihr am Anfang noch fremd. Aber das hat sich schnell geändert. Die Erstklässler dürfen sich im Unterricht noch viel bewegen. Frau Pauli, ihre Lehrerin, meint: „Das Lernen will gelernt sein!“

Leas Lieblingsfächer sind Schreiben, Lesen, Sachkunde und Sport. Bevor sie in die Schule kam, konnte sie einige Wörter in Druckbuchstaben schreiben. 
Lesen ist eine sehr spannende Sache, findet Lea. Seitdem Frau Pauli mit der Buchstabentabelle arbeitet, ist kein Wort und keine Geschichte vor ihr sicher. 
In Sachkunde mag sie besonders das Geräuschespiel. Frau Pauli spielt ihnen ein Geräusch aus dem Wald vor und die Kinder müssen raten, welches Tier sie hören oder was das Geräusch erzeugt. 
Herr Krüger, der Sportlehrer, sieht fast aus wie Opa. Aber er kann viel schneller laufen und macht bei allen Spielen mit. 

Eigentlich ist alles prima, wenn da bloß nicht die Sache mit den Zahlen wäre. Das Zählen macht Lea keine Mühe. Das hat ihr schon im Kindergarten Spaß gemacht. 

 In der Schule sind die Zahlen plötzlich anders. Als wären sie verhext. Das passiert vor allem beim Kopfrechnen. Die Zahlen wollen nicht so, wie sie will. Mal hat sie eins zuviel oder eins zuwenig im Ergebnis. Sie traut sich bald schon nicht mehr aufzuzeigen, wenn Frau Pauli nach dem Rechenergebnis fragt.
 Ihre Banknachbarin Klara rechnet schnell und richtig, das macht es für Lea nicht einfacher.
 In den Hausaufgaben hat sie kaum Fehler. Zuhause sind die Zahlen ihre Freunde.

Das geht nun schon eine ganze Weile. Wenn sie ans Rechnen denkt, ist sie gar nicht glücklich. Manchmal glaubt sie sogar, Rechnen ist blöd und dann sind die Zahlen erst recht verflixt.

Eines Tages kommt ihre Tante Rosa zu Besuch. Lea sieht sie nicht oft, weil sie in einer anderen Stadt wohnt. „Lea, wie gefällt es dir in der Schule?“, fragt Tante Rosa.  „Gut“, sagt Lea. „Und das Rechnen?“ Lea wundert sich. Wieso fragt Tante Rosa ausgerechnet nach den blöden Zahlen? „Mathe kann ich nicht so gut“, antwortet Lea leise.
 „Das kann ich ja kaum glauben“, meint Tante Rosa und schaut Lea prüfend an. „Ich sehe den Mathepunkt auf deiner Nasenspitze. Wer diesen Mathepunkt hat, der kann rechnen! So wahr ich Rosa Maria Wunderlich heiße!“ Leas Augen werden groß vor Erstaunen.
  „Wir probieren es gleich“, sagt Tante Rosa und stellt ihr ein paar Rechenaufgaben. Unglaublich! Lea rechnet alle Aufgaben richtig.
 „Ich kann sogar schon über den Zehner rechnen!“, ruft Lea. „Gut, wie viel ist 8 + 9?“, fragt Tante Rosa. „17!“ „13 – 5?“ „8!“, jubelt Lea. 

Ein paar Tage später kommt Lea fröhlich von der Schule nach Hause. „Mama, siehst du ihn auch?“ „Wen?“, fragt Mama verwundert. „Den Mathepunkt auf meiner Nasenspitze. Heute habe ich in der Schule alles richtig gerechnet und Frau Pauli hat mich ganz doll gelobt!“ „Ah ja, der Mathepunkt. Jetzt sehe ich ihn auch“, schmunzelt Mama.  „Ich will gleich Tante Rosa anrufen und ihr davon erzählen!“ Lea stürmt zum Telefon.  „Danach möchte ich auch gerne mit ihr sprechen“, ruft Mama lachend hinter ihr her.


Text: Nicole Potthoff | kidswebbi®

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Lea und der Mathepunkt

Zwei kleine Fragen an die Geschichte.
Was könnte dich mutiger werden lassen?

Zwerg Badalrur, was machst du nur? 

Plötzlich war es Herbst geworden. Der kleine Zwerg Badalrur musste sich sputen, um Vorräte für den Winter anzulegen. Also machte er sich im Mondenschein auf den Weg zu den Gärten und Feldern der Riesen. Auf einem Acker fand er Kartoffeln, davon steckte er zwei in seinen Leinensack. Bald darauf kam er an ein Feld, dort wuchs Mais. „Ein, zwei Kölbchen für ein Süppchen oder drei für einen Brei“, dachte er bei sich und steckte die Kolben ein. 

Im Garten des Riesen Agalind fand er Früchte, groß und rund. 
„Das müssen Äpfel sein, die sind gesund.“ Schwupp – verschwanden auch vier Äpfel im Leinensack.  Am nächsten Baum hingen Pflaumen. „Das gibt ein Müschen fein, ei, ei", freute sich der Zwerg. 

Da fiel ihm etwas auf den Kopf. „Autsch, Krötenrülps und Spinnenpups!“, schrie Badalrur auf. 
Doch kaum hatte er sich vom ersten Schreck erholt, traf ihn auch schon der nächste Schlag.
„Wer wagt es …?“, brüllte er. Da hörte er aus der Ferne: „Du bist ein Dieb, ein runzliger.“ 
Badalrur blickte in die Richtung, aus der das Stimmchen kam.
Im Birnenbaum saß ein Eichhörnchen und bewarf ihn mit Haselnüssen. 

Laut schimpfend flüchtete der Zwerg zu den Gemüsebeeten. „Mein Süppchen braucht Möhrchen, wo find ich sie bloß?“ Badalrurs flinke Äuglein huschten über die Beete. „Dort seh’ ich ein Kräutlein stehn, werd mal schnell da hinne gehn.“ Plötzlich hielt ihn etwas an den Füßen fest und er fiel der Länge nach hin. „Bienenpieks und Hummelstach, was ist denn das?“ 
Badalrur versuchte sich umzudrehen und stieß dabei mit seiner Nase an ein großes, hartes Ding. „Zum Elfenbein und Trollenzahn, jetzt hab’ ich mir schon wieder wehgetan!“ 
Das „Ding“ war ein riesiger Kürbis und sah im Dämmerlicht ganz und gar gruselig aus.
„Oh Schreck, oh Schreck, ich muss hier weg!“

Der Zwerg strampelte wie wild mit seinen Füßen. Da hörte er eine tiefe Stimme dröhnen: „Was ist das um Mitternacht für ein Geschrei in meinem Garten? Strolche, Diebe oder gar Zwerge?“
„Nur der Wind, Herr Agalind, nur der Wind!“, piepste Badalrur mit hoher Stimme und kniff seine Äuglein fest zusammen.  „Beim Hexenfurz und Donnerschlag, ich nie wieder stehlen mag“, dachte er und ließ einen vollen Leinensack fallen. „Der Wind soll es gewesen sein. Nun gut, dann geh’ ich wieder rein“, reimte der Riese Agalind und verschwand. 

Und unser Zwerglein Badalrur? Das machte sich ohne ein einziges Gemüselein und Früchtchen, aber vor Angst schlotternd, auf den Weg nach Hause.

 

Text: Nicole Potthoff | kidswebbi®

Zwerg Badalrur, was machst du nur?

Zwerg Badalrur erlebt ein aufregendes Abenteuer. Er schleicht sich in die Obst- und Gemüsebeete der Riesen, doch schon bald merkt er, dass Stehlen keine gute Idee ist. Eine kurze, liebevolle Geschichte über Mut, Ehrlichkeit und das Lernen aus Fehlern. 

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Zwerg Badalrur

Zwei kleine Fragen an die Geschichte.
Darf  Zwerg Badalrur einfach nehmen, was er findet?

 




Die Geschichte vom Fest der Farben

 

Vor einer Ewigkeit und drei Tagen gab es auf der Welt drei Farben:

das glühende Rot, das tiefe Blau und das leuchtende Gelb.

 

„Ich bin die Glut des Feuers, der Sonnenaufgang und der Sonnenuntergang“, sagte das glühende Rot, „Das Herz und die Liebe tragen meine Farbe. Ich spende Leben und Wärme.“

 

„Ich bin der Himmel und das Meer“, sagte das tiefe Blau, „das Ewige und die Unendlichkeit. Ich bringe Harmonie und Frieden.“

 

„Ich bin die Sonne, der Mond und die Sterne“, rief das leuchtende Gelb, denn es wollte den anderen beiden in nichts nachstehen. „Der Sommer trägt mein gelbes Kleid. Wo ich bin, herrschen Zuversicht und Heiterkeit.“

 

Eines Tages gaben die Drei ein großes Fest. Sie luden dazu das strahlende Weiß der Milchstraße und das unergründliche Schwarz des Universums ein. Jede Farbe trug zum Fest ihr schönstes Gewand und Geigen spielten zum Tanz.

 

Je später der Abend wurde, desto mehr winzige Milchtröpfchen verlor das Kleid der Milchstraße. Bald war der Tanzboden bedeckt mit kleinen, weißen Milchpfützen. Doch in ihrer guten Stimmung bemerkten es die Farben nicht. Fröhlich reichten sie einander die Hände und wirbelten zum Takt der Musik durch den Weltenraum. Das strahlende Weiß tanzte mit dem glühenden Rot. Das tiefe Blau mit dem leuchtenden Gelb. Ihre rauschenden Kleider berührten einander, wischten über Tropfen und Pfützen hinweg.

 

„Oh, seht nur!“, rief plötzlich das unergründliche Schwarz, „Dort ein helles Rot! Und hier eine Farbe, deren Name ich nicht kenne!“

Erst jetzt bemerkten auch die anderen Farben die bunten Tupfer am Boden. „Wie kann das sein, wo kommen all die Farben her?“ „Wer hat sie hier hereingebracht?“ „Wie mögen sie wohl heißen?“, fragten alle durcheinander. “Grün!“ Das glühende Rot zeigte auf die Stelle, wo sich etwas Blau mit Gelb vermischt hatte. „Diese Farbe nennen wir sattes Grün!“

 

Kaum hatte das glühende Rot den Satz ausgesprochen, erhob sich das Grün vom Boden und sprach: „Ich bin der Wald, die Wiesen und Felder. Wo ich bin, herrschen Glück und Zufriedenheit.“

 

Da begannen sie auch für die übrigen Farben neue Namen zu erfinden. Sie schufen das Orange, das Himmelblau und das Violett.

 

Dabei hüpften sie vor Freude umher. Und jedes Mal, wenn sie einander berührten, entstand eine neue Farbe. Der Weltenraum war erfüllt von unzähligen Farbtönen. Wie Noten in einem Lied bildeten sie einen Regenbogen.

 

Nur das unergründliche Schwarz hielt sich vornehm zurück. Wusste es doch, dass es all die anderen Farben überdecken würde. 

 

Text: Nicole Potthoff | kidswebbi®

Das Fest der Farben

Zwei kleine Fragen an die Geschichte.
Was sind deine Lieblingsfarben?

Knollo, der Superstar

Wie jeden Dienstag packt Bauer Johannsen in seinen kleinen, grünen Laster die Obst- und Gemüsekisten für den Wochenmarkt in der Stadt. Jetzt im Herbst ist sein Angebot schön bunt: 
Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kürbisse, Sellerie, Steckrüben, Kohl, Gurken, Kräuter und Möhren.
Bauer Johannsen hat alles selbst angebaut. Das schmecken die Leute aus der Stadt und kaufen gerne bei ihm ein. Nur noch die Kartoffelkisten in den Laster, dann kann es losgehen. 

Auf seine Kartoffeln ist Bauer Johannsen besonders stolz. Sie haben eine glatte, feste, hellgelbe Schale und sind in Form und Größe alle schön gleichmäßig gewachsen. Nun ja - fast alle, aber dazu kommen wir noch. 

Gegen fünf Uhr in der Frühe macht sich Bauer Johannsen auf den Weg in die Stadt. Schließlich ist um sieben Uhr Marktbeginn, dann muss sein Stand fix und fertig aufgebaut sein. Während der kleine Laster gemütlich über die Landstraße fährt, wollen wir einen Blick auf die Körbe und Kisten in seinem Inneren werfen. Denn niemand,außer uns beiden, kann ahnen, was sich gerade dort abspielt. In der Kartoffelkiste mit der Aufschrift „Sorte: Secura vorwiegend festkochend“ ist richtig was los. Hörst du es auch?

"Ich bin Knollo, der Superstar! Meine Handelsklasse ist 1A! Für Püree, Klöße oder Pommes frites geh' ich mit dir ganz bestimmt nicht mit!", krakelt es aus der Kartoffelkiste. Beim näheren Hinschauen entdecken wir eine sehr große,  besser gesagt eine sehr, sehr große Kartoffel: Knollo. 
Der Name passt. Und wie er, von seinem eigenen Gesang begeistert, oben auf der Kiste zwischen all den anderen Kartoffeln herumwackelt, das passt auch. 

„Nun … mach … dich… hier mal nicht so … dicke …, du Angeber!“, murrt eine mittelgroße Kartoffel, und versucht mit anderen Kartoffeln Knollo wegzuruckeln. „Wer drückt denn von da oben so entsetzlich?“, stöhnt es mehrstimmig aus dem unteren Teil der Kartoffelkiste. Mittlerweile ist fast die ganze Kiste in Bewegung geraten und droht in einer Kurve von der darunter stehenden Kartoffelkiste runterzurutschen. Jetzt reicht es auch dem anderen Obst und Gemüse: „Ruhe in der Kiste! Wenn ihr so weitermacht, sind eure Schalen aufgeschubbert. Dann ist es vorbei mit „Püree, Klößen oder Pommes frites“! Dann reicht es nur noch für den Futtertrog!“ Rums, das sitzt! Schließlich möchte jede Kartoffel die Zierde eines schönen Kartoffelrezepts werden und nicht als Tierfutter enden. 
„Wir haben alle die Handelsklasse 1 erreicht und sind von bester Qualität. Nur weil du viel größer bist als wir, heißt das noch lange nicht, dass du etwas Besseres bist!“, grummelt die mittelgroße Kartoffel schnell noch vor sich hin, aber dann ist tatsächlich Ruhe in der Kiste. 

Mittlerweile ist Bauer Johannsen auch am Marktplatz angekommen. Dort hat er einen festen Platz. Die Geflügel-Käthe, der Eier-Meyer und viele andere Händler sind auch schon da. In der nächsten Stunde hat Bauer Johannsen seinen Obst- und Gemüsestand mit seinem Schild „Alles frisch vom Land“ aufgebaut. Gerade hat er die letzte Kiste ausgepackt, da naht auch schon der erste Kunde. 
Es ist Luigi, der Koch von „die beste italienische Ristorante von Palermo bis Bad Bramstedt“ wie er zu sagen pflegt. „Buon giorno Signore Johannsen! Come stai, wie geht es Ihnen?“, ruft Luigi schon von Weitem. „Prima, Luigi, prima! Was darf es denn heute sein? Vielleicht ein paar schöne Pflaumen?“ „Grazie, Signore Johannsen, aberrr häute ick mackee Gnocchi alle Mamma. Ick hätte gerne 3 Kilo Patate … äh Kartoffeln…, per favore!“ 

 Wenn du jetzt genau auf die Kartoffelkiste achten würdest, in der Knollo liegt, würdest du das winzig kleine, freudige Beben in der Kiste bemerken. Unser knolliger Superstar sieht sich offenbar bereits wohlgeformt, mit Mehl und Ei vermengt, in einer köstlichen Tomatensoße auf einem Teller liegend. Als Bauer Johannsen nach ihm greift, sieht er sich schon fast am Ziel seiner Träume. „No, no Signore Johannsen, dieße Patata istee fiel zu großee für Gnocchi alla Mamma. Mußee sein … äh … mittel, dann schmecktee perfetto.“ 

Vorbei, vorbei! Die Chance eine kleine italienische Teigware zu werden, ist für Knollo mit diesem Satz vertan. Doch kaum hat Luigi mit drei Kilo Kartoffeln Bauer Johannsens Marktstand verlassen, naht die zweite Chance in Gestalt des kleinen, dicken französischen Kochs Alphonse. „Bonjour Monsieur Jo’annsen! Ah, isch se’e Sie ’aben ’eute ’errlische pommes de terre für ein vorzüglisches Gratin. Wunderbar, wunderbar!“ „Guten Morgen Herr Alfons, wie viele Kilo darf ich Ihnen denn für Ihren Kartoffelauflauf abwiegen? Vielleicht noch ein wenig Schnittlauch oder Petersilie dazu?“ „Merci Monsieur, aber es ’andelt sisch um ein altes Rezept meiner Grand-Maman. Isch bereite es nur mit Thymian zu. Wiegen Sie mir vier Kilogramm Kartoffeln ab, s'il vous plait.“ Kaum merklich zeigt sich Knollo von seiner besten Seite, aber Bauer Johannsen greift nach allen anderen Kartoffeln um Knollo herum. „Wie immer alle möglichst gleich groß, Herr Alfons, nicht wahr!“ „Se’r rischtisch Monsieur Johannsen, damit isch schöne gleischmässige Scheiben schneiden kann für ein gutes Auge.“ „Sie meinen sicherlich „Das Auge isst mit“, Herr Alfons“, schmunzelt Bauer Johannsen. 
„Bien entendu! Natürlisch!“, lacht Herr Alphonse.

Tja, die beiden haben wenigstens etwas zu lachen. Unserem Kartoffelstar Knollo vergeht sein Hochmut allmählich. Als er selbst für Klöße und Pommes frites „zu groß“ und „nicht schmackhaft genug“ ist, hofft er inständig darauf, wenigstens noch als Kartoffelpüree auf einem Teller zu landen.

„Guten Tag Frau Klausen, was kochen Sie denn heute Schönes?“ Frau Klausen ist Stammkundin bei Bauer Johannsen. Jeden Tag Dienstag kauft sie an seinem Stand das Obst und Gemüse für ihre Familie. „Guten Tag Herr Johannsen! Einen deftigen Eintopf möchte ich heute zubereiten. Wenn er morgen noch einmal aufgewärmt wird,  wird er uns allen ganz besonders gut schmecken. Und: ich muss nur einmal kochen. Haben Sie Kartoffeln, Möhren, Sellerie und Steckrüben?“ „Da gönnen Sie sich aber mal wieder richtig was, Frau Klausen. Die Zutaten für ihren Herbsteintopf habe ich alle da.“ „Sehr schön! Dann geben Sie mir bitte von jeder Zutat ein Kilo. Die Möhren und Kartoffeln möglichst dick und groß, die lassen sich nämlich schneller schälen als die dünnen, kleinen.“

Schlägt nun endlich Knollos Stunde? Was meinst du?

 

Text: Nicole Potthoff | kidswebbi®

Knollo, der Superstar

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