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mit Geschichten lernen


Mit Ben Küchenmeister, seinen Freunden und Tante Rosa wird Lernen zum Abenteuer! Spannende Geschichten aus Alltag und Fantasie vermitteln kindgerechtes Wissen:  verständlich, humorvoll und ganz ohne Werbung. 

Ben Küchenmeister und seine Freunde

Mein Name ist Ben. Ben Küchenmeister. In der Straße, in der ich wohne, ist immer etwas los. Das liegt nicht nur an den Kindern, die hier leben, sondern auch an den vielen Möglichkeiten zum Spielen.

Dabei wohnen wir in der Stadt, na ja, einem Städtchen. 
Wir, das sind Luca, Maxi, Hannes, Matze, Lea und ich. Zusammen sind wir 60 Jahre alt und haben immer mindestens genauso viele Flausen im Kopf, wenn wir zusammen sind. 

Der einarmige Froschkönig

An den Tag, an dem wir den einarmigen Froschkönig gefunden haben, kann ich mich noch gut erinnern: Es war ein Tag im Frühsommer. Wir wollten auf der Wiese Eidechsen fangen.


Wenn es warm ist, ruhen sie sich an warmen, sonnigen Stellen aus und lassen sich dann leicht mit der Hand einfangen. Auf so einer Sommerwiese gibt jede Menge anderer Tiere und Pflanzen zu entdecken. Da krabbelt, flattert und zirpt es an jeder Ecke. Hier ein paar Feuerkäfer, dort ein Zitronenfalter, Hummeln oder Grillen und manchmal auch ein Frosch.

„Ein Frosch! Ein Frosch mit nur einem Arm!“, rief Lea als sie das Tier unter einem Gebüsch entdeckte und das Schmetterlingsnetz über ihn warf. Schnell liefen wir zu ihr. „Frösche haben keine Arme, sondern Vorderbeine“, stellte Matze richtig. „Das Vorderbein hat er bestimmt im Kampf mit einem Vogel verloren, manche Vogelarten fressen Frösche“, meinte Hannes. „das Vorderbein hat sich nicht entwickelt, als der Frosch noch eine Kaulquappe war“, gab ich zu bedenken. 
„Egal“, sagte Maxi, „ich habe da eine Idee. Wir setzen ihn in den neuen Teich. Frösche leben doch im Wasser.“ „Aber nicht alle! Frösche sind Amphibien, das heißt, sie leben auf dem Land und im Wasser. Die Idee ist prima. Wie bekommen wir ihn zum Teich? Aus dem Netz springt er raus“, überlegte Luka. „Na, wir tragen ihn hin!“, sagte Maxi, „Wer macht es?“. „Immer der, der fragt“ brummelte Matze vor sich hin. „Ich?“, fragte Maxi, „Nee, nee, ihr wisst doch, was ich in die Hände nehme, geht leicht kaputt.“ „Das ist doch eine Ausrede. Sei doch kein Frosch, Maxi“, entgegnete ich und musste grinsen. „Also Jungs, wenn ihr hier noch länger steht und euch nicht einigt, dann trage ich den Quaker in den Teich!“, entschied Lea.
 

Ehe wir uns versahen, hatte sie den Frosch vorsichtig mit der einen Hand am Hinterkopf gepackt und mit der anderen hielt sie die Hinterbeine zusammen. Lea sah in unsere erstaunten Gesichter. 

„Das hat mir mein Opa gezeigt. So kann der Frosch nicht springen und sich dabei verletzen. Man muss an der Kehle vorsichtig sein, denn mit ihr und durch seine Haut, atmet ein Froschlurch. Wusstet ihr eigentlich, dass Frösche mit ihren kräftigen Hinterbeinen Sprünge bis zu einem Meter hinbekommen?“

„Quak!“ Vor Schreck zuckten wir alle zusammen. Lea ließ den grünen Gesellen fast fallen. „Quak!“ „Offenbar ist der Frosch empört. Aber vielleicht ist er ja auch kein Frosch, sondern ein König und will von Lea geküsst werden“, prustete Matze los. Wir konnten uns kaum halten vor Lachen. Lea stimmte fröhlich mit ein: „Und dann lebe ich glücklich und zufrieden in meinem Schloss und muss nie wieder Diktate schreiben. Aber jetzt los, lange kann ich den einarmigen Froschkönig nicht mehr halten.“

In einiger Entfernung hörten wir plötzlich ein weiteres „Quak!“ Quak!“. „Mensch, da ist noch einer, vielleicht ist das die Königin, arme Lea“, unkte Hannes. „Wohl eher ein Prinz, denn mit dem Gequake locken Frösche die Weibchen an und grenzen ihre Reviere ab“, erklärte ich, „sie machen das mit ihrer Schallblase. Ein Laubfrosch kann sie so gewaltig aufblähen, dass sie fast so groß ist, wie er selbst.“ „Jedenfalls sollten wir den anderen Frosch auch einsammeln und zum Teich übersiedeln. Dann gibt es am Abend ein tolles Froschkonzert“, sagte Lea, „Ihr wisst ja nun, wie ihr es anstellen müsst.“

„Ähm“, Hannes räusperte sich. „Hast du etwa einen Frosch verschluckt“, gluckste Matze. „Ähm, ich glaube ich muss rein. Hausaufgaben machen. Bis später!“, murmelte Hannes und trabte davon. „Ist schon in Ordnung, Hannes! Wir treffen uns heute Abend am Teich!“, riefen wir ihm hinterher.

Luka  und ich machten uns auf, den zweiten Frosch zu finden.
Wir fanden ihn in einer kleinen Erdmulde und brachten ihn ebenfalls zum Teich.
Dort setzten wir die Tiere vorsichtig auf die Ufersteine. Mit einem Satz sprangen beide ins Wasser.

Das ist jetzt ein Jahr her und in diesem Sommer haben wir schon vier weitere einarmige Frösche gezählt. Woher die kommen, ist eine andere Geschichte, aber vielleicht wisst ihr es auch schon. 

Text: Nicole Potthoff | kidswebbi®

Das besondere Fußballfinale

In diesem Jahr findet die Fußballweltmeisterschaft in USA, Kanada und Mexiko statt. Um den FIFA World Cup wird am 19. Juli 2026 in den USA gespielt. Doch noch ehe die großen Spieler ihre Schuhe ausgepackt haben, hatten wir die Weltmeisterschaft bereits entschieden, aber dazu später mehr.
 
In der Straße in der wir wohnen haben wir viel Platz und eine richtig große Wiese zum Fußballspielen. Dort kicken die besten Fußballer aller Zeiten und die Wiese wird zum größten Stadion der Welt.

 An den Tag, an dem wir Fußballweltmeister wurden, kann ich mich noch gut erinnern: Es war ein sonniger Tag. Wie so oft in letzter Zeit hatten wir uns nachmittags zum Bolzen verabredet. Unsere Fußballwiese war so kurz geschnitten, wie bester englischer Rasen. Optimale Bedingungen für ein gutes Spiel. Doch diesmal sollte alles ein wenig anders werden.
 
 „He Luka, ist deine Mutter nicht zu Hause oder warum schleppst du Oskar mit?“ Matze konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen. Auf kleinere Geschwister aufzupassen, war in seinen Augen so ziemlich das Blödeste, was einem passieren konnte.
Luka und Oskar kamen näher. „Mama ist nicht da und Luki soll mir aufpassen.“ Luka stöhnte: „’auf mich’, Oskar, ‚auf mich’!“„Stimmt gar nicht, ich soll nicht auf dich aufpassen, du bist ja schon groß ...“ „Ja, ja, Krümel ...“, winkte ich ab. Matze wollte gerade dazu etwas sagen, als er seinen kleinen Bruder Flori antraben sah. Verdutzt rief er: „Flori, was willst du denn hier?“ „Mama und Papa fahren einkaufen und du sollst ...“ „... auf ihn aufpassen!“ ergänzte Luka, nicht ohne Schadenfreude. Matze verdrehte die Augen in den Himmel, als ob von dort Hilfe kommen würde. Mittlerweile waren wir anderen auch eingetrudelt. „Also Leute, was wird hier gespielt?“ fragte Lea.  „Na, was wohl? Siehst du die Pille unter meinem Arm? Revanche für das  für das letzte Spiel, das wird hier gespielt“, sagte Maxi. Oskar wollte gerade den Mund aufmachen, als Luka ihn anstieß und mit einem „Klappe halten!“- Blick bedachte. „Das ist gar keine Pille, das ist ein Fußball!“ Matze hatte Flori offenbar nicht so gut im Griff. „Na, das kann ja heiter werden, wenn die Erdnuckel mitspielen wollen“, meinte Hannes. „Sind keine ...“, setzten beide Kleinen im Chor an. „Schon gut, schon gut“, beschwichtigte ich, „ ihr seid  Rodrygo und  Neymar . Heute spielt Deutschland gegen Brasilien im Finale der Fußballweltmeisterschaft!“

 „Einen wunderschönen Nachmittag, meine lieben Fußballfreunde. Ich begrüße Sie zum wichtigsten und spannendsten Finale des Jahres. Hier,  im MetLife Stadium, das bis auf den letzten Platz ausverkauft ist, wird in den nächsten 20 Minuten die Entscheidung fallen. Wird Deutschland zum fünften Mal in der Geschichte Weltmeister? Doch schauen wir uns zunächst die Mannschaftsaufstellungen an:
Für Brasilien spielen im Sturm: der torgefährliche Rodrygo und der kopfballstarke  Richarlison.
Im Mittelfeld sehen wir Casemiro und in der Abwehr Danilo.

Für Deutschland stehen Jamal Musiala und Florian Wirtz im Angriff. Im Mittelfeld nimmt  Ilkay Gündogan die Position des Spielmachers ein und in der Verteidigung sehen wir Joshua Kimmich. Schon ertönt die brasilianische Nationalhymne.

"Ja, meine Damen und Herren, das Stadion bebt! Brasilianische Samba auf dem Platz und auf den Rängen. Welch großartige Kulisse für dieses Spiel. Wird es uns diesmal gelingen, den Weltpokal mit der Weltkugel zu gewinnen?“
 
„Erde an Ben! Erde an Ben! Alles klar bei dir?”, unsanft holte mich Matze aus meinen Gedanken zurück, „Mensch Ben, wir wollen anfangen und du stehst da, wie ein hypnotisiertes Kaninchen.“ Ich schüttelte mich, wie ein nasser Hund. „Äh ja, es kann sofort losgehen. Also ähm, ich bin Ilkay. Luka ist Jamal, Oskar ist Florian und Maxi ist Joshua.“  „Ok“, sagte Matze, „dann bin ich der torgefährliche Rodrygo, Lea ist der kopfballstarke Richarlison, Hannes spielt Casemiro im Mittelfeld und Flori ist Danilo in der Abwehr.  Gespielt werden 2 x 10 Minuten mit 5 Minuten Pause. Ansonsten gelten die Regeln wie immer.“
 
„Meine Damen und Herren, dieses Spiel fühlt sich an wie ein echtes WM‑Finale!
Nach der ersten Halbzeit steht es noch immer 0:0. Beide Teams kämpfen um jeden Ball, aber es fällt einfach kein Tor! Geht das hier etwa bis ins Elfmeterschießen? Die Minuten rinnen dahin. Die Spannung auf den Rängen steigt …“
 
 „Los Luka, spiel ab! Hier! Hier stehe ich! Oh nein! Was soll denn das, kannst du die Kirsche nicht genauer passen?“ Langsam wurde ich sauer. „Hör’ doch auf ständig rumzumeckern, Ben. Was ich kann ich dafür, dass du nicht schnell genug bist“, maulte Luka zurück. „Ach, jetzt hört beide auf. Ist doch nur ein Spiel!“, rief Hannes von der anderen Seite des Spielfelds.
 
 „Wir sind in der 19. Minute, liebe Zuschauer. Welches Rezept kann den deutschen Spielern jetzt noch helfen? Die Angriffe über Ilkay und Jamal laufen ins Leere. Das Zuspiel klappt vorne und hinten nicht. Tröstlich, dass es auch bei den Brasilianern immer wieder zu Ballverlusten kommt. Doch aufgepasst, jetzt sehen wir Ilkay am Ball! Ilkay kommt über links. Jamali geht durch die Mitte. Und was machen die Brasilianer? Wo ist Rodrygo? Jamal steht frei vor dem Tor. Wo bleibt Brasiliens Abwehr? Wo steckt Danilo?“
 „Flori! Flori! Was machst du da? Ich glaube es nicht, der hockt am Spielfeldrand und pflückt Blümchen!“, schrie Matze.

 „Ilkay flankt auf Jamal. Jamal springt hoch und ... köpft den Ball ins lange Eck! Tor! Tor! Tor! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Fußballweltmeister!” 

Flori strahlte über das ganze Gesicht: „Diese Blümchen mag Mama ganz doll!“
Bei der Vorstellung, dass Brasilien die Fußballweltmeisterschaft verliert, weil der beste Abwehrspieler während des Spiels Blümchen pflückt, mussten wir alle laut loslachen. 
Warum in einem Stadion tatsächlich keine Blümchen wachsen, ist eine andere Geschichte, aber vielleicht wisst ihr es auch schon. 

Text: Nicole Potthoff | kidswebbi®

S.0.S. Entenküken

 In unserem Wohnviertel kennen wir jeden Strauch und jeden Stein. Kein Wunder, denn solange es keine „Hunde und Katzen regnet“ sind wir draußen unterwegs. Hunde werden in unserem Viertel übrigens an der Leine geführt. Das steht so in der Hausordnung. Die frei laufenden Katzen sind dagegen eine echte Plage, denn sie benutzen unsere Sandkästen als riesige Katzenklos. Wer einmal beim Buddeln in einen Katzenhaufen reingegriffen hat, der weiß, wovon ich rede. Und Katzen waren auch der Grund für unseren Rettungseinsatz „S.O.S. Entenküken“. 

 

Eigentlich gehören die Parkplätze in unserem Viertel nicht zu unseren Spielplätzen, aber bei einer Schnitzeljagd führen viele Wege an ihnen vorbei. Luka, Hannes und Maxi waren in einer Mannschaft und hatten sich an Leas, Matzes und meine Fersen geheftet. Richtigerweise waren sie unseren Kreidespuren gefolgt. Ein paar Mal hatten sie uns schon fast erwischt, denn auf den alten Trick mit der falschen Fährte fielen sie nicht mehr rein. Als wir in einiger Entfernung Hannes rufen hörten, dachen wir zunächst, sie wollten uns reinlegen, um das Spiel vorzeitig zu beenden. „He, kommt mal alle her! Hier sind Entenküken auf dem Parkplatz!“ 

Ich verstand nur Bahnhof: „He… her… hier… enden… platz!“ „Wat hatta jesacht?“ Matzes Gesicht glich einem einzigen Fragezeichen. „Welchet Ende platzt?“ Auch Lea versuchte angestrengt, sich einen Reim darauf zu machen. „Wollten wir uns am Parkplatz bei Oma Lotte treffen?“ „Dat is doch’n janz mieser Trick, damit wir uffjeben!“ „Nee“, entgegnete ich, „Da ist etwas passiert!“ „Dem seine Hose is bestimmt jeplatzt und jetze rufta nach Muttern.“ „Ach, komm!“ Lea knuffte Matze freundlich in die Seite „Sei nicht so gehässig! Wir schauen nach, was los ist.“ Ich nickte. Missmutig grummelnd trottete Matze hinter Lea und mir her. 

 

In einiger Entfernung kam Luka uns wild mit den Armen fuchtelnd entgegen gerannt. Außer Atem rief er: „Mensch, da seid ihr ja!“ „Wat denkste denn, wo wir warn? Beim Ringelpietz?“ Matze war immer noch stinksauer und auch ein schlechter Verlierer. Luka überhörte den Spruch und erzählte aufgeregt von der Entdeckung, die sie auf dem Parkplatz gemacht hatten. „Na, und wie wir da so lang laufen, hören wir ein aufgeregtes Piepen unter einem der Autos. Das waren die zwei Entenküken. Ganz allein, keine Entenmutter weit und breit!“ 

 

 „Ja, und wo sind die Küken jetzt?“, fragte ich. „Immer noch unter dem Auto“, erklärte Luka. „Kiek die bloß nich an! Die loofen dir hinterher und du wirst se nich mehr los. Dat nennt man Prägung oder so. Da jab et mal son Heini, der hat dat mit Jänseküken jemacht.“ Matze tat sich mächtig wichtig. „Konrad Lorenz“, ergänzte ich, „Er hat herausgefunden, dass Küken diejenigen als Eltern annehmen, denen sie nach dem Schlüpfen als Erstes begegnen. Aber unsere Küken waren schon mit ihrer Mutter unterwegs oder wie sollen sie sonst unter das Auto gekommen sein?“

 

 „Vielleicht sind se unterm Auto aus ihre Pelle jeschlüpft und nu denken se, dat Blechding is ihre Mutti“, feixte Matze. „Ha,ha,ha, sehr witzig! Lasst uns lieber nach der Entenmutter suchen“, schlug Lea vor, „Sie wird ihre Küken sicherlich vermissen und nach ihnen rufen.“ Luka stimmte ihr zu. „Maxi und Hannes passen auf, dass die beiden nicht abhauen oder von einer Katze gefressen werden.“ „Oder vonne Blechmutti überrollt ...“ Matze konnte es nicht lassen. „Okay, Enten sind Wasservögel“, überlegte ich laut, „Vielleicht kam die Entenfamilie von unserem Teich?“ 

 

Bevor wir jedoch zum Teich gingen, wollten wir uns unbedingt die beiden Entenkinder ansehen. Die gelben Flauschkugeln hatten sich vor Erschöpfung unter dem Auto zusammengekuschelt. Wie sich später herausstellte, war meine Vermutung richtig gewesen. Vor ein paar Wochen hatte ein Entenpaar an unserem kleinen Teich gebrütet. Heute hatte Mutter Ente mit ihren zehn Jungen einen Ausflug in unser Viertel gemacht. Dabei waren die beiden Küken auf dem Rückweg verloren gegangen. Mit einem Käscher fingen wir die zwei Nachzügler vorsichtig ein und brachten sie in einem Eimer zum Teich zurück. Dort nahm sie ihre Entenmama mit lautem Rufen in Empfang. Für Matze war die Sache klar wie Kloßbrühe: 

„Zehn kleene Entenküken 

woll’n spazieren jehn, 

zwee hören nich, wat Muttern sacht, 

da waren’s nur noch acht.“ 

Doch mit unserer schnellen Hilfe waren es am Schluss wieder zehn Entenküken. 

Was aus ihnen geworden ist, ist eine andere Geschichte, aber vielleicht kannst du es dir auch denken. 

 

Text: Nicole Potthoff  | kidswebbi®

Das gewaltige Donnerwetter

Mein Name ist Ben. Ben Küchenmeister. Ich wohne in einer Kleinstadt im Nordosten Deutschlands. Warum ich euch das erzähle? Die Wetterfrau sagt auch jeden Abend:
  „Im Nordosten Deutschlands tagsüber heiter und sonnig. Vereinzelt Gewitter. Die Temperaturen liegen bei 25°C.“ 
 Die Wetterfrau spielt auch eine Rolle in dieser Geschichte. Aber dazu später mehr. | 

Wir, das sind Luka, Maxi, Hannes, Matze, Lea und ich. Unser Wohnviertel ist der beste Spielplatz, den man sich vorstellen kann. Gleich neben den Wohnblöcken liegt eine große Wiese mit Bäumen. Dort finden die aufregendsten und spannendsten Expeditionen statt.
 Mal befinden wir uns auf einer Insel in der Arktis, mal sind wir Goldgräber in Alaska und manchmal erforschen wir den tropischen Regenwald. An den Tag, an dem wir ein gewaltiges Donnerwetter erlebt haben, erinnere ich mich genau: 

Es war ein herrlicher Sommertag. Wir befanden uns auf einer Expedition im tiefsten Urwald Südamerikas. Klar, dass wir alles an lebenswichtigen Dingen dabei hatten: Wasser, Kekse und eine Tüte „Gegen-und-für-Alles“. Natürlich haben wir auch immer unsere E-S-S-T-Ausrüstung mit: Eimer, Schippen, Schmetterlingsnetz, Schnur und ein Taschenmesser. 

Als Erstes brauchten wir ein Expeditionslager. Dazu musste Hannes seinem Vater wieder einmal die blaue Campingplane aus dem Keller stibitzen. In einer kleinen Senke, mitten im Dschungel, bauten wir uns einen Unterstand. Im Regenwald ist es immer sehr feucht und warm. Von unserem Lager aus, konnte die Suche nach verlorenen indianischen Schätzen und exotischen Tieren beginnen. „Oh, oh, auaahhh!“, schrie Matze auf einmal, „Ich habe einen Pfeilgiftfrosch angefasst! Schnell, bringt mir die Tüte mit dem Gegengift.“ „Matze!“, sagte Lea streng, „Du kannst nicht schon wieder Hunger haben. Jetzt machen wir die Tüte Gummibärchen nicht auf!“ „Dann willst du mich leiden lassen?“, schmollte Matze, „Das ist nicht nett von dir.“ „Auf einer Expedition muss man sich den Proviant einteilen. Bis nach Nachschub kommt, können Wochen vergehen“, erklärte ich und schob Matze hinter meinem Rücken ein Bonbon zu. Das hatte, dem Papier nach, wohl schon einen Waschmaschinengang überstanden. Matze grinste zufrieden. 

So vergingen Stunden der Forschung, nur in der Mittagszeit unterbrochen vom „Essen kommen!“-Ruf unserer Eltern. Am Nachmittag zogen wir uns in unser Lager zurück. Expeditionen sind anstrengend und machen müde. Als wäre die Sonne ebenfalls erschöpft, verschwand sie hinter einer dicken Wolke.
  „Was ist denn nun?“, fragte Luka. „Das hat die Wetterfrau gestern angesagt ,im Nordosten am Nachmittag vereinzelt Gewitter’ “, sagte Hannes.
  


 „Ach, heißt die Wetterfrau zufällig Frau Holle?“, gluckste Matze. „Nee, weiß nicht, wie sie heißt. Sie erhält die Wettervorhersage von einer Wetterstation. Dort kann das Wetter, mit Hilfe von Computern und Daten von Wettersatelliten, bis zu zehn Tage im Voraus bestimmt werden. Wettersatelliten kreisen ungefähr 1000 km über der Erdoberfläche und machen Fotos von den Wolken.“, erklärte Hannes. „Wolken sehe ich auch, wenn ich von hier unten in den Himmel gucke“, meinte Max. „Dann sag’ du doch, wie das Wetter jetzt wird. So hat die Wetterkunde angefangen. Die Menschen beobachteten den Himmel, den Wind, die Tiere und die Pflanzen.

 Vor 5.000 Jahren haben die Babylonier und die Ägypter Wettersprüche aufgeschrieben, so ähnlich wie Bauernregeln“, erzählte Lea.
  „Häh, Bauernregel, Wolke, Ägypten? Ich verstehe nur Bahnhof“, sagte Matze. 

 „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter - oder es bleibt, wie es ist“ zitierte Lea. „Lustig, jetzt kommt auch noch ein Hahn dazu. So braut sich das Wetter zusammen?“, fragte Lukas. 

„Das Wetter braucht drei Dinge: Sonne, Luft und Wasser. Die Sonne erwärmt die Luft. Warme Luft steigt nach oben. Kühle Luft strömt von der Seite nach. Die Luft gerät in Bewegung. Es entsteht Wind. Die Sonne erwärmt aber auch das Wasser in den Meeren, Flüssen, Seen, Bächen und Pfützen. Dadurch verdunstet das Wasser. Es schwebt als kleine Wasserteilchen in der Luft. Diese Teilchen verbinden sich mit Staubkörnchen und werden zu Tröpfchen. Viele Tröpfchen bilden eine Wolke. 
 Je mehr Tröpfchen die Wolke aufnimmt, umso dicker und dunkler wird sie. Aus den Tröpfchen werden große Tropfen. Die sind so schwer, dass sie als Regen, Hagel oder Schnee wieder runterfallen. Der Wind treibt Wolken zusammen oder auseinander“, erklärte ich, „Wolken gibt es in unterschiedlichen Höhen und Formen. Jede Form bringt ein bestimmtes Wetter. Die Wolke, die du jetzt gerade da oben siehst, ist eine Gewitterwolke und heißt Cumulus nimbus.“ 
 „Die ist ja riesig geworden. Sie sieht aus, wie ein Turm“, staunte Matze. 
 Ich nickte. „Cumulus heißt  „Türmchen“ und wenn ich mich nicht irre, gibt es hier bald ein gewaltiges Donnerwetter“ 

„Cool, ein Gewitter im Regenwald. Dann machen wir es uns hier so richtig gemütlich. 
 Lea, rück’ die Gummibärchen raus! Leute, das wird ein Spaß“, freute sich Matze. 

Nun, so ganz wurde nichts aus dem Spaß. Das Donnerwetter, das wir zu hören bekamen, weil wir nicht nach Hause wollten, war gewaltiger, als das im Regenwald. 
 Warum man bei Gewitter nicht draußen bleiben sollte, ist eine andere Geschichte, aber vielleicht wisst ihr es auch schon. 

Text: Nicole Potthoff | kidswebbi®